Kein „Brett vor dem Kopf“!

Endlich einer, der mit denkt!

6. Januar 2016

Was wurden wir in den vergangenen Monaten überrollt! Fast wöchentlich News über neue Fahrer-Assistenz-Systeme, Kameras und Sensoren, die immer ausgeklügelter werden. Alles schon Vorbereitung auf das autonome Fahren.

Die Präsentation der ersten Fahrzeuge, die autonom unterwegs waren, entlockte auch dem letzten Skeptiker schieres Staunen über so viel Können!

Schön und gut, doch haben die Automobilhersteller bei so viel Technik nicht irgendetwas vergessen?

Zum Verzweifeln: seit der Motorisierung der Automobile haben die Hersteller als Blendschutz für den Fahrer nichts anderes anzubieten, als ein schmales Brett vor die Windschutzscheibe zu klappen! Nicht mal die Hersteller von Fahrzeugen der Luxusklasse, in denen selbstverständlich sämtliche Funktionen voll elektronisch funktionieren, haben es geschafft, eine noble Alternative zu entwickeln. Auch in diesen Fahrzeugen findet sich hier nur eine kleine – in den allermeisten Fällen mausgrau überzogene - Klappe gegen die Sonne, die per Hand herunter geklappt werden kann. Als sei das nicht genug, schafft es der gelbe Planet schlussendlich dann doch noch, zwischen Spiegel und Sonnenblende sich einen Weg in’s Fahrerauge zu bahnen!

Jetzt werden Sie natürlich sagen, automatisch abdunkelndes Glas gibt es doch schon lange, doch wurde es im Auto bislang nur bei einigen Glasdächern eingesetzt, nicht aber bei der Windschutzscheibe. Nun wendet sich eventuell das Blatt! Der Automobilzulieferer Continental zeigt auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, vom 6. bis 9. Januar 2016, erstmals ein Fahrzeug als Demonstrator, bei dem sich sämtliche Scheiben auf Knopfdruck verdunkeln lassen. „Intelligent Glass Control“, nutzt spezielle Folien, die in das Glas eingebunden sind und durch elektrische Steuersignale ihre Lichtdurchlässigkeit verändern.

Damit lassen sich Seitenscheiben, Heck- und teilweise auch Frontscheibe automatisch und stufenlos verdunkeln. Das Blenden des Fahrers, das oft spontan und heftig auftritt, könnte nun der Vergangenheit angehören. Neben mehr Fahrsicherheit bietet die Technologie noch weitere Vorteile: Die Sonnenschutzfolie hält Hitze aus dem Fahrzeug fern und senkt damit die Innentemperatur. Das entlastet die Klimaanlage, die entsprechend kleiner ausfällt und weniger Energie braucht.

Neben der geringeren Aufheizung sorgt die Verdunkelung für Privatsphäre. Wenn das Fahrzeug parkt, verdunkeln sich die Scheiben automatisch, das Wageninnere bleibt den Blicken von außen verborgen und verhindert so vielleicht den einen oder anderen Diebstahl. Bislang schimmert die verfügbare Folie leicht bläulich, aber Continental rechnet in Zukunft mit einer breiteren Farbpalette, die zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet. Darüber hinaus seien weitere Effekte denkbar – vom Einkoppeln von Lichteffekten über die Energiegewinnung bis hin zu Touchscreen-Funktionalitäten.

Teilchen richten sich unter Strom aus

Das Wirkprinzip der Folie beruht auf eingelagerten Partikeln, die sich beim Anlegen einer elektrischen Spannung ausrichten und die Transparenz der Scheibe verändern (Suspended Particle Devices – wir berichteten bereits). Ist die Scheibe stromlos, ordnen sie sich zufällig an und verdunkeln die Scheibe von außen, während von innen nach außen die Durchsicht erhalten bleibt. Wird eine elektrische Spannung angelegt, richten sich die Teilchen gezielt parallel aus, sodass die Scheibe in beide Richtungen durchlässig für Licht wird und komplett klar erscheint.

Noch ist diese Folie für großflächig verglaste Mittelklassefahrzeuge zu teuer, Continental erwartet aber schnell sinkende Preise. Außerdem gibt es Alternativen: PDLC (Polymer Dispersed Liquid Crystal), LC (Liquid Crystal) oder EC (Elektrochromie). Letztere nutzt die Fähigkeit von Molekülen und Kristallen, ihre optischen Eigenschaften unter Einfluss eines elektrischen Feldes oder eines Stromflusses zu verändern. Eingesetzt wird diese Technologie bereits im Auto, um den Innen- sowie Außenrückspiegel zu verdunkeln und damit Blendeffekte zu verhindern. Der Nachteil bei größeren Flächen ist der hohe Energiebedarf, der für geringe Schaltzeiten benötigt wird.

Nun werden wir sehen, wie sich das ganze entwickelt und behalten weiterhin für Sie den „Durchblick“!

Ihr Redaktionsteam autoglaser.de 06.01.2016 (Martina Weller)

Autor: AUTO.net GLASinnovation
Quelle: AUTO.net GLASinnovation gmbh

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